Weltkrebstag: Moderne Onkologie, interdisziplinĂ€re Zusammenarbeit und Vorsorge stĂ€rken Ăberlebenschancen
In der Steiermark erkranken etwa 7.000 Menschen jedes Jahr, MÀnner etwas hÀufiger als Frauen an Krebs. Bis in das Jahr 2030 ist eine Zunahme der Krebserkrankungen mit etwa 15 Prozent prognostiziert. Dies liegt einerseits an der Altersstruktur, da die Bevölkerung immer Àlter wird, als auch an individuellen Risikofaktoren.
Allein im Jahr 2025 wurden in der SteiermÀrkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) mehr als 9.300 Patient*innen mit onkologischen Hauptdiagnosen stationÀr behandelt. Rund 51 Prozent der Betroffenen waren MÀnner, 49 Prozent Frauen. Rund 80 Patient*innen waren unter 18 Jahre alt. Das durchschnittliche Alter der erwachsenen Patient*innen lag bei MÀnnern bei 66,8 Jahren, bei Frauen bei 65,2 Jahren.
Zu den hĂ€ufigsten onkologischen Hauptdiagnosen bei stationĂ€r behandelten MĂ€nnern zĂ€hlten bösartige Neubildungen der Haut, der Prostata, der Bronchien und Lunge, des Dickdarms sowie der Harnblase. Bei Frauen standen bösartige Neubildungen der BrustdrĂŒse an erster Stelle, gefolgt von Hautkrebs, Tumoren der Bronchien und Lunge, des Dickdarms sowie der BauchspeicheldrĂŒse.
Ganzheitliche Betreuung und interdisziplinÀre Zusammenarbeit
Univ. Doz. Prim. Dr. Peter Krippl, Ărztlicher Direktor des LKH Oststeiermark erklĂ€rt: âFĂŒr eine optimale Betreuung von Krebspatient*innen benötigt es, neben dem niedergelassenen Bereich, welche vor allem fĂŒr die PrĂ€vention, PrimĂ€rdiagnostik, aber auch fĂŒr die Nachbehandlung zustĂ€ndig ist, viele unterschiedliche Professionen und Disziplinen im Krankenhaus. Neben den verschiedenen Ă€rztlichen Fachrichtungen, von der Diagnose bis zu Therapie, mit Patholog*innen, Radiolog*innen, internistischen HĂ€mato-Onkolog*innen, GynĂ€kolog*innen, Pulmolog*innen, Strahlentherapeut*innen und Chirurg*innen, spielen viele andere Berufsgruppen eine wichtige zentrale Rolle, beispielsweise Psycholog*innen, MTD-Berufe und vor allem Pflegeberufe. In der Steiermark ist eine wohnortnahe, flĂ€chendeckende Versorgung vorhanden. Neben den diagnostischen, sowie schneidenden Fachrichtungen gibt es fĂŒr die medikamentöse Tumortherapie, neben dem Standort Graz als Zentrum, die Standorte Leoben und FĂŒrstenfeld mit seinen hĂ€mato-onkologischen Abteilungen, wo etwa ein Drittel der Patient*innen behandelt werden. Auch spezielle OrganfĂ€cher (wie die GynĂ€kologie, Pulmologie, die Urologie, die Dermatologie, die Neurologie, etc.) setzen hochspezialisierte medikamentöse Therapien ein. Neben der, wie erwĂ€hnten, PrĂ€vention darf auf eine adĂ€quate stationĂ€re oder ambulante Rehabilitation der Krebspatient*innen nicht vergessen werden.â
Zum Einsatz kommen â abhĂ€ngig von Tumorart und -stadium â chirurgische Verfahren, Strahlentherapie sowie medikamentöse Therapien wie Chemotherapie, Immun- und Antikörpertherapien. Zunehmend gewinnen personalisierte BehandlungsansĂ€tze an Bedeutung, bei denen genetische und molekularbiologische Eigenschaften eines Tumors eine wesentliche Rolle spielen. Ein weiterer wichtiger Baustein in der modernen chirurgischen Krebsbehandlung ist die roboterassistierte Chirurgie, die innerhalb der KAGes in Graz und Leoben mit dem Da-Vinci-System zum Einsatz kommt. Diese Form der minimalinvasiven Operation ermöglicht prĂ€zisere Eingriffe, geringeren Blutverlust, weniger Schmerzen und eine raschere Erholung. Internationale Studien zeigen zudem, dass z. B. bei Prostataoperationen das Risiko fĂŒr Inkontinenz und Erektionsstörungen durch diese Technik reduziert werden kann.
Ein weiteres zentrales QualitĂ€tsmerkmal fĂŒr eine erfolgreiche onkologische Diagnostik und Therapie ist die interdisziplinĂ€re Zusammenarbeit. In sogenannten Tumorboards beraten Expert*innen unterschiedlicher Fachrichtungen gemeinsam ĂŒber die optimale Therapie. Dadurch wird sichergestellt, dass jede Patientin jede Patient*in eine leitliniengerechte und individuell abgestimmte Behandlung erhĂ€lt.
FrĂŒherkennung rettet Leben
Neben der Therapie spielt die FrĂŒherkennung eine wesentliche Rolle. RegelmĂ€Ăige Vorsorgeuntersuchungen ermöglichen es, Krebserkrankungen oder deren Vorstufen frĂŒhzeitig zu erkennen.
Priv.Doz.in Prim.a Dr. in Gunda Pristauz-Telsnigg, AbteilungsvorstĂ€ndin der Abteilung fĂŒr Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Standort Feldbach, betont in diesem Zusammenhang vor allem die HPV-Impfung gegen GebĂ€rmutterhalskrebs: âIn der GynĂ€kologie wird europaweit durch den kausalen Zusammenhang von Humanen Papillom Viren (HPV) und der Entstehung von GynĂ€kologischen Karzinomen das HPV basierte Screening empfohlen. Dadurch können Vorstufen von Karzinomen effektiv entdeckt und so frĂŒhzeitig, vor der Entstehung von Krebs, therapiert werden. Durch die EinfĂŒhrung der HPV Impfung konnte in vielen LĂ€ndern gezeigt werden, dass das Zervixkarzinom nahezu eliminiert werden kann. Dies setzt allerdings eine hohe Durchimpfungsrate voraus, weshalb AufklĂ€rung und Information unerlĂ€sslich ist, damit junge MĂ€dchen und Burschen das kostenlose HPV Impfprogramm annehmen. Das hĂ€ufigste Malignom von Frauen ist der Brustkrebs, ca. 7000 Frauen erkranken jĂ€hrlich in Ăsterreich. Auch beim Mammakarzinom wissen wir, wie wichtig die FrĂŒherkennung fĂŒr das Ăberleben ist. Wird ein Mammakarzinom im FrĂŒhstadium entdeckt, liegt die 5-Jahres Ăberlebensrate bei ca. 98-100%. Hierzu gibt es in Ăsterreich ein nationales FrĂŒherkennungsprogramm, wo Frauen zwischen 45 und 74 Jahren regelmĂ€Ăig eine Mammographie und bei Bedarf auch einen Ultraschall erhalten.â
Auch Prim. Dr. Thomas Alber, Vorstand der Abteilung fĂŒr Urologie am LKH Hochsteiermark betont die Wichtigkeit von Vorsorgeuntersuchungen fĂŒr MĂ€nner: âVorsorge ist kein Grund zur Angst, sondern eine groĂe Chance, die eigene Gesundheit aktiv in die Hand zu nehmen. Gerade bei urologischen Krebserkrankungen â allen voran dem Prostatakarzinom â entscheidet die FrĂŒherkennung maĂgeblich ĂŒber die Prognose. In Ăsterreich erhalten jedes Jahr rund 7.500 MĂ€nner die Diagnose Prostatakrebs. Damit ist diese Erkrankung mittlerweile die hĂ€ufigste Krebserkrankung bei MĂ€nnern. Die gute Nachricht ist: Wird der Tumor frĂŒhzeitig entdeckt und ist noch auf die Prostata begrenzt, bestehen sehr gute Heilungschancen. In diesen FĂ€llen stehen heute vielfĂ€ltige, individuell angepasste Therapiekonzepte zur VerfĂŒgung â von aktiver Ăberwachung bei niedrigem Risiko bis hin zu operativen oder strahlentherapeutischen Verfahren. Ich empfehle MĂ€nnern ab dem 20. Lebensjahr eine regelmĂ€Ăige Selbstuntersuchung der Hoden und ab dem 45. Lebensjahr eine urologische Vorsorgeuntersuchung. Wichtig ist: Die rektale Tastuntersuchung ist nach aktuellen Leitlinien nicht mehr zwingend Bestandteil der reinen ProstatakrebsfrĂŒherkennung. Moderne Bluttests und bildgebende Verfahren stehen heute im Vordergrund. FrĂŒhzeitige AbklĂ€rung, moderne Diagnostik und individuell abgestimmte Therapien bieten heute sehr gute Chancen â nicht nur auf Heilung, sondern auch auf eine hohe LebensqualitĂ€t.â
Blick in die Zukunft
Die KAGes setzt auf eine kontinuierliche Weiterentwicklung der onkologischen Versorgung, eine enge Vernetzung der Fachbereiche und die konsequente Integration neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Praxis. Ziel ist es, Patient*innen im Erkrankungsfall bestmöglich zu begleiten und ihre Ăberlebenschancen und LebensqualitĂ€t damit nachhaltig zu verbessern.
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Christine Moisi, MSc
KAGes Unternehmenskommunikation
Tel.: 0664 3978080
Mail: christine.moisi@kages.at